Zuerst würde ich gern auf Felix super geschriebenen, mit tollen Fotos versehenden Artikel über unseren Ausriss der Zivilisation verweisen: http://felixgehtweltwaerts.wordpress.com/2010/08/12/von-guayabal-nach-constanza/
Ich hatte eigentlich vor nochmal abschliessend über Kritik an Weltwärts und AFS usw. schreiben. Aber durch meine Mitfreiwillige, Nina, bin ich auf einen Weltwärts-Blog gestossen aus dem ich hier mal rezitiere. Vorher würde ich nur noch gern folgendes loswerden: Das Programm Weltwärts (WW) lässt zu das Entsendeorganisationen wie AFS handeln wie kapitalistische Unternehmen. Ein WW-Freiwilliger soll dem Projekt nichts kosten. In unserem Falle zahlt Projekt für Essen, Transport und Gastfamilie. Etwa 9000$PESOS/Monat. Bei 13 Freiwilligen ~26.000 EUR/Jahr, was das Projekt zahlt in dem wir als “Freiwillige” sind. Was in dem Falle unser Projekt zahlt, spart am Ende AFS. In den Worten von Rapha “Quantitaet geht auf Dauer immer zu Lasten von Qualitaet…“. Zwar hat AFS es irgendwie geschafft, das es keine Probleme mit dem Programm gibt. Aber das Problem ist, sie könnte was tun. Das Geld steht von Deutschland zur verfügung. Natürlich hätte unsere Projekt auch sagen können “Stopp, wir zahlen nicht“, aber das müsste unsere Entsendeorganisation eigentlich besser wissen. Was ich damit ausdrücken will, dass es besser gehen könnte. Es wäre richtig gewesen, wenn die Entsendeorganisation sich dafür einsetzt, zu verhindern, dass das inländische Projekt für uns zahlt.
Die folgende Rezitierung trifft so ziemlich meine Lage und meine Gedanken und ist echt toll geschrieben.
http://amakuru.blogsport.de/2010/06/20/friede-freude-eierkuchen-das-weltwaertsprogramm/
[…]
Ich denke, der Erfolg haengt neben einem selbst auch ganz entscheidend von der Arbeit der Entsendeorganisation ab. Ich bin ueber Sofia,eine kleine Entsendeorganisation des Bistums Trier, hier. Fuer uns wurde sich in der Vorbereitung sehr viel Zeit genommen, weit ueber Auswahlwochenende und 10-taetiges Vorbereitunsseminar, welches von weltwaerts vorgeschrieben ist, hinnaus.
Falsche Erwartungen, insbesondere die Motivation des „Helfens“, konnten so schon im Vorfeld erkannt und korrigiert werden, jedenfalls insofern das in Deutschland im Vorfeld in der Theorie moeglich war. Wir wurden auf einen sozialen Lerndienst und nicht auf einen Entwicklungsdienst vorbereitet. Ich denke, diese Klarheit ueber den eigenen Dienst ist ein wichtiger Punkt.
Dass ich kein Entwicklungshelfer bin, musste ich mir, trotz besseren Wissens aus der Vorbereitung, mir zwar hier, in einem langen, schwierigen Prozess nochmal klar machen, doch sehe ich mittlerweile auch die grosse Chance, die ich als einfacher Freiwilliger habe, der nicht unter dem Druck steht „Entwicklung“ nach Ruanda zu bringen. Natuerlich habe ich eine regulaere, „greifbare“ Arbeit, doch die ist nach meinem Verstaendniss und nach dem meiner Bezugspersonen, den Priestern, mit denen ich zusammenlebe, nicht das wichtigste meines Dienstes.
Viel wichtiger ist es mir, hier gemeinsam ein Jahr mit den Menschen zu verbringen. Ihnen zuzuhoeren und ihr leben kennen zu lernen. Ein Teil davon zu werden.
Das ist es, wozu ich die Chance bekomme.Denn das ist es auch was ich kann. Das ist es wofuer ich die Zeit und auch die Motivation mitbringe. Denn ich bin nunmal Freiwilliger und gerade kein Entwicklungshelfer.
Ich bin so langsam an dem Ende meines Freiwilligendienstes angelangt, ich bin gluecklich, habe viele, nicht immer einfache oder angenehme, Erfahrungen gemacht, die mich letztendlich aber alle sehr bereichert haben, habe mich gut in das Leben eingelebt, viele Freundschaften geschlossen,und ein Land kennen gelernt, dass mir anfangs so fremd, so anders erschien, und dass mir mit der Zeit immer vertraueter, ja zu einer Heimat wurde.
So kann ich wohl meinen Weltwaerts-Dienst auch als erfolgreich werten.
Doch das liegt neben mir selbst und der Unterstuetzung der Menschen in Ruanda um mich herrum, doch auch zu einem grossen Teil an der Entsendeorganisation, die mir gerade diese Freiwilligenstelle ermoeglicht hat.
Denn viele Freiwillige bekommen auch nicht annaehrend solch eine Chance, wie ich sie habe.
Meine Frewilligenstelle ist auf einer Freundschaft zwischen einer deutschen und einer ruandischen Gemeinede begruendet. Dieser persoenliche auch schon im Vorfeld bestehende Kontakt ist warscheinlich im Freiwilligendienstellenbusiness mittlerweile schon eher die Ausnahme, in Zeiten in denen –dank weltwaerts- Traegerorganisationen wie Pilze aus dem Boden spriessen. Aber aus meiner Sicht macht ein Freiwilligendienst nur Sinn, wenn in eine Idetifikation zwischen Freiwilligem und Projektstelle stattfindet. Und wenn du in deinem Blog den DED schon namentlich ansprichst, so kann ich sagen, dass gerade bei vielen DED-Freiwilligen, wenig Identifikation mit dem Projekt stattfindet. Das liegt nicht nur an den Freiwilligen sondern auch stark an denen, ihnen zugewiesenen ungeeigntene Projektstellen. Klar, wenn man 30 Freiwilligenplaetze im Land haben moechte, so koennen die Projektstellen nicht handverlesen sein.
Ich erlebe viele Freiwillige, nicht nur von oben genannter Organisation, bei denen wenig Identifikation mit Projektstelle oder dem Gastland stattfindet. Die entweder gemeinsam in der Hauptstadt wohnen oder zumindest am Wochenende zum partymachen herkommen. Die dadurch wenig vom Land mitbekommen.
Die frustriert sind, weil es im Projekt nicht laueft und sich gegenseitig runterziehen.
Die vor Ort schlecht betreut sind. So kann ein Freiwilligendienst nicht fuktionieren.
So ist es kein Lerndienst und ein „Entwicklungshilfedienst“ noch viel weniger
Meine Kritk an Weltwaerts ist, dass es aus der Arbeit der Traegerorganisationen ein profitables Geschaeft gemacht hat, an dem die verschiedensten Organisationen mit den unterschiedlichsten Motivationen nun partizipieren wollen. Mehr zur Verfuegnung gestellete Projektstellen bedeutet auch mehr Geld fuer die Organisationen, was daher hauefig auch schlechte Projektstellen und schlechte Betreuung durch die Entsendeorganisationen zur Folge hat, da diese sich ploetzlich um viel mehr Freiwillige kuemmern muessen.
Quantitaet geht auf Dauer immer zu Lasten von Qualitaet, mir laueft ein Schauer ueber den Ruecken wenn ich von dem gesteckten Ziel von 10.000 Freiwilligen hoere, und da bei an die vielen frustrieten, schlecht betreuten Freiwilligen denke, die ich bisher schon persoenlich kennen gelernt habe oder von denen ich im Internet Erfahrungsberichte lesen konnte.
Wenn jede einzelne Stelle auf ihre Art besonders ist, einmalig, gut betreut, einfach stimmig, kann damit auch dem Fakt entgegengewirkt werden, dass viele Stellen nun eben nicht arbeitsmarkt neutral sind.
Erst vor ein paar Tagen haben wir beide ja einen Freiwilligen kennengelernt, der vollkommen die Motiavtion an seiner Arbeit verlorern hatte, und den Sinn seines Dienstes in Frage stellte, da er die qualifizierte Lehrerin kennengelernt hatte, der er, als unqualifizierter aber kostenloser Freiwilliger, den Arbeitsplatz weggenommen hatte, wie sich herrausstellte.
Spaetestens hier, wenn dies keine Ausnahme war, wird das Weltwaerts-Programm fuer mich mehr als fragwuerdig. Wenn Freiwillige, erst nach ihrem Dienst, von ihren im Gastland erworbenen „social skills“ profitieren, und damit letztendlich Deutschland von der Weiterqualifikation seiner Staatsbuerger profitiert, waehrend den Staatsangehoerigen des Gastlandes, in diesem Fall besagter Lehrerin, ein Nachteil entsteht, welcher sich im Endeffekt als Nachteil fuer diesen Staat erweist, dann ist solch ein Freiwilligendienst genauso „Dead Aid“ wie viele andere Konzepte in den Versuchen von Entwicklungspolitik.

Auf den Punkt getroffen!
Schön zu hören, dass über das Programm “weltwärts” auch Freiwillige entsendet wurden die ihren Dienst als das erkannt haben was er im endeffekt ist. Die Frage, die sich wohl jeder stellt ist ob dafür die Gelder der Entwicklungshilfe eingesetzt werden sollten. Ich habe nicht einmal 3 Monate gebraucht um mir diese Frage zu beantworten und mich danach schlecht zu fühlen auf Kosten der Steuerzahler und potenziellen Entwicklungshilfeempfänger ein Jahr des kulturellen Austausches und (überwiegend) eigenen Lernens zu führen.
Von: Marian D. am August 26, 2010
um 9:37 pm