Verfasst von: Fionn | September 30, 2010

Alles so Deutsch hier :-)

Jetzt schreibe ich mal nich aus meinem Bett in Guarricano/SantoDomingo. Heute schreibe ich aus meiner Heimat, Salzhemmendorf/Hameln/Deutschland. Freitag am 10.09.2010 bin ich in Hannover gelandet und wurde von meiner Family in Dirndle und lecker Brezeln empfangen.

Falls ihr kein bock habt so viel zu lesen, schaut euch die Videos weiter unten an.

Es war irgendwie nicht ungewohnt, da ich das deutsche Leben ja schon 22 Jahre gelebt habe. Komisch war nur, dass das Vergangene aus dem Jahr in der DomRep plötzlich nicht mehr da ist. Ich habe gedacht der Kulturschock wird schlimmer. Einzig auf dem Klo fällt mir auf, dass ich den Mülleimer suche, da in der DomRep das Klopapier nicht abgespült sondern weggeschmissen wird. Eine Situation hatte ich noch als ich in Hameln Shoppen war. Ich sagte laut auf der Rolltreppe, das die Deutschen wohl auch kein Links gehen, Rechts stehen kennen. Ich habe irgendwie damit gerechnet, dass die Dame vor uns das nicht hört. Aber das hat sie wahrscheinlich. Es war auch ein bisschen komische alle Leute um einen herum Deutsch sprechen zu hören. Ich war es gewöhnt in der Öffentlichkeit Spanisch zu hören.
Bei der Fischverkäuferin hatte ich auch ein komisches Gefühl. Dieses typisch deutsche. “Hallo was darfs denn sein, klar die Forelle ist hervorragend. Darfs noch etwas sein bitte. Das macht dann 17.63 bitte. Vielen Dank und dann wünsche ich noch einen schönen Tag”. Weiss nicht schwer zu beschreiben. Vielleicht auch einfach ungewohnt. So ein typisch deutsches Strassengespräch :-)

Heute werde ich über die letzte Zeit in der DomRep und ein bisschen über die Ankunft hier in Deutschland schreiben. Bzw. ich lade Videos hoch. Ich sass nämlich in der DomRep und überlegte wie ich am besten einen Eindruck meines Lebens in der DomRep schaffen zu können.

Irgendwann im laufe des Jahres schrieb ich eine Nachricht in dein dominikanisches Linux-Forum. Dadurch kam ich in Kontakt mit Domingo Abreu. Er arbeitet als Archäologe beim Umweltministerium der DomRep. Er ist für die Höhlen in dem Land zuständig. Und es gibt viele Höhlen, um die 40.000. Wirklich, ich hab auch gedacht ihn nicht verstanden zu haben aber er hat es mir nochmal bestätigt. Liegt wohl an der Felsstruktur des Landes.

Er interessierte sich für das Programm “Edubuntu en la escuela”, um es in einer kleinen Schule, in der nähe der Höhlen “El pomier”, zu installieren. Diese Schule ist Teil seiner Arbeit. Um die Menschen/Kinder in der Nähe dieser Höhlen, Bildung und ein gewisses Gefühl für die Natur zu geben. Teil seiner Arbeit ist auch zum Beispiel die Organisation eines Campamentos (Freizeitlagers) für Kinder und Jugendliche aus ärmeren Gebieten. Ohne jegliche Kosten für Kinder oder Eltern. Viele der Aktivitäten des 3 wöchigen Campamento gehen in die Richtung wie funktioniert die Natur (meines Landes), Erhaltung der Höhlen (-malereien), kennenlernen der Umwelt…  Hier ist ein sehr interessanter Report (Spanisch). Davon erzählt er auch später im Video. (Werde ich weiter unten Posten). Ich fragte ihn übrigens auch wo denn die Gelder der ganzen Projekte kommen und ob die Regieren etwas dazu zahle, was ja durchaus denkbar wäre bei solch tollen Projekten. Naja er bekommt nicht einen Cent dafür und versucht es immer durch Spender bzw. sein eigenes Geld zu finanzieren.

Zu “El Pomier”, den Höhlen über San Cristobal, kann ich soviel sagen, dass sie ein Deutscher “Robert Hermann Schomburgk” im Jahre 1849 (wieder-) endeckte. Es sind 55 einzelne Höhlen, obwohl, als wir einige besichtigten, zeigte man mir einen Gang zum Kriechen von der Höhle 3 (Cuava numero 3) zu Höhle 1. Das besondere an den Höhlen sind die teilweise bis zu 2000 Jahre alten Wandmalereien von den Tainos (und einige von Kariben und Igneri). Sie wurden von Französischen Ansiedlern “Pommier” (franz.:Apfelbaum) gennant weil es dort viele Guanabana Bäume gab, die dem Apfel (franz.=Pomme) ähnelten.

Wir machten also einen Termin aus und trafen uns hier in Santo Domingo um zusammen zu den Höhlen zu fahren. Er hatte schon vor mir ein paar Höhlen zu zeigen bevor wir uns an die “langweilige” PC-Arbeit begeben. Aber ich hatte noch mehr Glück. An diesem Tag gab es ein spontanes Treffen mit ein paar Leuten aus dem Umweltministerium. Das Problem ist nämlich folgendes: Vor etwa 10 Jahren begann die Regierung in diese Höhlen, wegen deren Erhalt und dem Tourismus, zu investieren. Sie bauten eine der Höhlen schön aus mit betoniertem Weg, Licht usw… Bauten ein Empfangshaus und richteten das Gelände ein. Als es dann 2002 ein wechsel in der Politik gab, streichte die Regierung die Mittel, obwohl schon ca. 13.000.000 $ von 14.000.000 $  investiert wurden. Umgerechnet ca. 250 000€. Im Laufe der Zeit wurden Kabel und sämtliches Höhlen Equipment geklaut. Es ging dann bei dem Treffen um die Neueröffnung dieser Höhlen. Es ist zu vermuten, dass umliegende Kalkabbau-Fabriken etwas gegen diese Höhlen haben.

Also hier das versprochene Höhlenvideo:

Video aus Santo Domingo (zum starten auf den Play-button drücken….)

Das Volleyballvideo, diesmal in allen Ländern verfügbar :-)

Im Projekt hat sich zum Ende hin auch noch einiges getan.

In folgenden Standorten habe ich (außer in Puerto Plata) Edubuntu installiert. In Puerto Plata sollte das Programm kurz nach meiner Abreise von meinem Nachfolger installiert werden.

Edubuntu in der DomRep

Darf ich vorstellen: Randdy Feliz, jetzt Edubuntu spezialist :-)

Der Chef hat es dann bei unserer Verabschiedung ausgedrückt, das durch das Edubuntu Projekt ein neuer Arbeitsplatz entstanden ist. Das hat mich dann doch ein bisschen Stolz gemacht !

Was ich auch toll finde, dass Edubuntu wirklich weiter eingesetzt wird. Aus zwei Quellen weiss ich das:

1) Santo Domingo:

Dort habe ich eine Hintertür im Server eingebaut. Dadurch habe ich zugriff auf die Bildschirme der Schüler! Das habe ich nicht eingebaut um heimlich deren Gewohnheiten auszuspionieren sondern einzig um nach dem Jahr ab und zu zu schauen wie es sich weiterentwickelt. Ich habe anfangs befürchtet, wenn ich weg bin, wird Internet angeschaltet und die Kiddies werden in die tiefen des schlechten Internets gelassen… Aber die Schulungen haben etwas gebracht und das Internet wurde immer gesperrt. Hier einige Screenshots des Betriebes nach meiner Abreise:

Zu dem letzten Screenshot (Chat+gemeinsames Malen) würd ich gern noch erwähnen, dass den Mal-Bereich von mir programmiert wurde. Ich habe auch noch ein paar weitere Ideen GCompris mit Code bzw. kleinen Spielen zu unterstützen. In dem geht es darum das Kinder gemeinsam Malen können während des Chattens.

2) El Pomier (Höhlen-Projekt)

Zum Glück habe ich noch guten Kontakt zu Domingo Abreu (aus dem Video) und außerdem fand ich einen Artikel auf dem Blog des Campamento von Pomier.

Dieses Projekt von Domingo finde ich übrigens sehr unterstützenswert. Falls also jemand der Entwicklung des Landes helfen möchte ist dieses Projekt das richtige. Da spürt man richtig den Fortschritt und den Elan von Domingo. Er kämpft gegen Müll, für Umweltschutz, mehr Bildung, alternative Lebensweisen… Ich habe Vorschläge gehört es entweder finanziell oder durch Schüleraustausch zu unterstützen. Ich stelle gerne den Kontakt her falls Interesse besteht. Ich werde ja erst ab November wieder verdienen und habe dann auch vor, die monatlichen Internetkosten (25€) zu bezahlen. Solche Beträge helfen da absolut.

Morgen ist die AFS-Nachbereitung. Mal schauen, wenn es noch super interessant wird schreib ich vielleicht nochmal. Apropos ein Spiegel-Redakteur hat mich interviewt, er meinte er schreibt einen Artikel über Freiwilligendienste und Weltwärts allgemein. Ich glaube es soll hauptsächlich über die Kritik geschrieben werden. Ich erzählte ihm über alles was nicht so geklappt hat und alles was geklappt hat. Er meinte es komme in der nächsten Ausgabe (Okober) oder November.

Also nun ist es wohl zu Ende. Ich wohne schon im eiskalten Würzburg. Gerade noch zur Zwischenmiete, in Würzburg sind wohl gerade die Wohungen ausgegangen :-( . Ich werde weiterhin zu Domingo, meiner Gastfamilie und meinem Nachfolger Kontakt halten. Ich hoffe Ihr hattet eine gute Zeit, diesen Blog zu lesen und wer weiß wohin es mich eines Tages mal verschlagen wird. Danke an euch alle!!! Es war ein tolles Jahr mit Höhen und Tiefen! Jetzt muss ich mich erst mal wieder in Deutschland richtig einleben. Obwohl ich auch versuche z.B. mein Spanisch nicht zu verlieren (mit Leuten aus Lateinamerika bzw. VHS-Kurs).

Adios Amigos. Euer Fionn

PS: Hier noch einige Bilder vom Abschied und von der Ankunft:

Letztes Foto mit Gastfamilie

HANNOOOVVER:

Mein Bruder, der jetzt im über 7000km weit entfernten Kanada ist!

Manbeachte die leckeren Brezeln und das Spatzl-Herz :)

Der Dirndl-Willkommensverein :)

Dann kam ja auch schon ein Tag später der Dominikanische Abend. Super toll, hab mich echt gefreut, dass sich so viele Menschen für mein Jahre interessierten.

Bachata in Deutschland :)

Bachata

Erstes Deutsches (Bio)Bier

La Bandera (Daminikanisches Nationalgericht) auf Deutsch

Vortrag

Abendprogramm

Abends wurde gut gefeiert. Viele coole Ideen von Freunden!! Mein Bruder und ich bekamen sogar von einem Freund (Karim/Canun) ein Abschieds bzw. in meinem Falle ein Willkommenslied: Download.

Nächster Morgen... Ohne Worte....

Endlich wieder Piano spielen:

Klavier

Und diese unbeschreibliche Ruhe wenn man direkt aus Santo Domingo kommt. Unglaublich… Unser Garten:

Ruhe....

Technisches: meine Installations-Methode habe ich deutlich verbessert. Bei der Installation eines Klassenraumes habe ich bisher entweder LTSP also die Server Lösung verwendet oder jeden einzelnen Client installiert. Bei der letzteren Methode ist es ziemlich nervig wenn keine oder eine langsame Internet Verbindung vorhanden ist. Da hilft das Ubuntu Programm “AptOnCD” weiter.  Damit kann man ein Computer Updaten, Programme nachinstallieren, Sprachpakete nachinstallieren usw. Danach Wird von dem Programm ein Image (.iso) der Pakete im cache gemacht. Dieses kann dann auf die anderen verteilt werden. Wesentlich schnelleres verfahren als auf jedem PC die Updates und Programme herunterzuladen.
In dem Höhlenprojekt gab es keine Internetverbindung. Es lag einfach zu weit entfernt von einer grossen Stadt o.ä. Ich meine jedoch, dass Internet heutzutage für die Entwicklung der IT-Kenntnisse von großer Wichtigkeit ist. Daher habe ich vorgeschlagen so ein Drahtloses/Satelliten-Internet zu beschaffen. Wir konnten vom Anbieter sogar eine günstigere Testphase bekommen. Um Signal und Funktionalität und Ubuntu zu testen. Ich muss sagen, was Hardwarekompatibilität angeht hat Ubuntu einen riesen Schritt gemacht. Der Kernel erkannte das USB-Gerät auf Anhieb. Es war nur etwas tricky die Zugangsinformation herauszubekommen. Dafür installierte ich es Testweise unter Windows und sah mir die config-Files an. Dort fand ich dann auch gewünschte Infos. Internet Verbindung an einem PC war hergestellt. Nun mussten aber noch 9 andere an dem Internet Glück teilen. Also verband ich den Internet-PC an den WAN-Port des WLan-Router und aktivierte über den Gnome-Network-Manager ICS (InternetConnectionSharing) an dem Adapter. Es funktionierte super. Das letzte Problem bestand darin, die WLan-Adapter der Clients auf Ubuntu zum laufen zu kriegen. Sie wurden nicht unterstützt. Da ich aber einen Windows-Treiber besorgen konnte, installierte ich ein Programm, dass sich “Windows Wlan Drivers” o.ä nannte. Damit musste ich den korrekten Windows-Treiber (.inf,.sys Dateien) auswählen und die WLan Adapter funktionierten auch.

Antworten

  1. Sehr, sehr schöner Blog – tolle Videos!! :)
    Auch wenn es für dich schon lange her ist…
    Ich gehe im Sommer nach meinem Studium auch Weltwärts (gehöre also auch ein wenig in die Sparte alt&ausgebildet :D ).
    Anyway. Mich würden die technischen Details deiner Arbeit doch sehr interessieren. (Bin Wirtschaftsinformatiker).
    Würdest du hinsichtlich Hardware- und Netzwerkunterstützung Edubuntu grundsätzlich empfehlen?
    Alternative wäre für mich Ubuntu 12.04 LTS.
    Welche Tipps hast du sonst noch?

    Vielen Dank schonmal und alles Gute :)
    Jonas

  2. Hey Fionn, danke für den Bericht :-) (werds für Oma+Opa ausdrucken) – bin gespannt, wie alles weitergeht … mit Domingo, Edubunto dort, Nachfolger Randy, AFS, etc … besos, Pedi

  3. Wie schöööön! Danke!
    Hab die Fahrt durch Santa Domingo sehr genossen. Und die Berichte von Deinen letzten Aktivitäten in DomRep. Und das tolle Lied – echt witzig!
    Das Höhlenvideo funzt leider net.
    Und die pics der Party – toll!!!

    Besos, Karen

    • Och immer Probleme mit Youtube…. Werd es nächste Woche auch auf Vimeo hochladen. Erinner mich bitte nochmal drann!!
      Hier in Wü herscht grad Wohnungslosigkeit :( Hoffe ich find bald was…

      Kuss Fionn

  4. hey amigo te felicito por tus videos, deviste llevar chicharron para alemania :)


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